Keine Zeit für Yoga?
Dann fang nicht mit einer Stunde Yoga an.
Wie oft hast du dir schon vorgenommen, wieder regelmäßiger Yoga zu machen? Zweimal die Woche wäre doch eigentlich machbar. Oder wenigstens einmal. Und morgens könntest du zehn Minuten früher aufstehen und meditieren. Andere schaffen das schließlich auch.
Und schon haben wir aus Yoga den nächsten Punkt auf unserer ohnehin zu langen To-do-Liste gemacht.
Ich kenne das sehr gut. Gerade wir Frauen haben oft eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie wir unser Leben noch ein bisschen besser organisieren könnten. Wenn wir disziplinierter wären, früher aufstehen, weniger am Handy hängen und endlich unsere Morgenroutine durchziehen würden, dann wäre bestimmt auch noch Platz für Yoga.
Aber vielleicht müssen wir genau andersherum denken.
Yoga muss nicht zusätzlich in dein Leben passen. Yoga soll mitten in deinem Leben stattfinden.
Die meisten von uns können sich eben nicht für mehrere Stunden am Tag zurückziehen, um zu meditieren und Yoga zu praktizieren. Wir haben Berufe, Kinder, Beziehungen, Eltern, um die wir uns kümmern, Mitarbeiter, Verpflichtungen und manchmal schlicht einen Wäscheberg, der erstaunlicherweise nicht von allein verschwindet.
Das macht deinen Yoga-Weg aber nicht weniger wertvoll.
Es bedeutet nur, dass du einen Yoga-Weg brauchst, der zu deinem Leben passt.
Vielleicht sind es morgens nicht 60 Minuten Asanapraxis. Vielleicht sind es fünf Minuten. Vielleicht ist es heute überhaupt keine Asanapraxis, sondern ein Mantra beim Wasserkochen. Drei bewusste Atemzüge vor einem schwierigen Gespräch. Ein kurzes Innehalten, bevor du auf eine Nachricht antwortest, die dich ärgert.
Ist das wirklich Yoga?
Ich behaupte: ja.
Denn Yoga beginnt nicht erst dort, wo du deine Matte ausrollst. Wenn wir Yoga ernst nehmen, geht es um sehr viel mehr als um Körperhaltungen. Es geht darum, unseren Geist zu schulen, unsere automatischen Reaktionen zu erkennen und immer wieder in einen Zustand zurückzufinden, aus dem heraus wir klarer denken, fühlen und handeln können.
Und genau deshalb liegt für mich darin auch die Verbindung zwischen Yoga und mentaler Stärke.
Mentale Stärke bedeutet nicht, deinen stressigen Alltag noch besser auszuhalten. Es geht auch nicht darum, dich mithilfe von Yoga wieder so weit zu regulieren, dass du anschließend noch effizienter funktionieren kannst.
Das wäre mir zu wenig.
Yoga kann dir helfen, mitten in deinem Alltag überhaupt wieder wahrzunehmen, wie es dir in diesem Leben eigentlich geht.
Was tut mir gut?
Was tue ich nur aus Gewohnheit?
Wo erfülle ich Erwartungen, die gar nicht meine sind?
Und wo weiß ich vielleicht längst, dass etwas nicht mehr stimmt, traue mich aber noch nicht, dieser inneren Stimme zu folgen?
Dafür brauchst du keine perfekte Yogapraxis. Du brauchst eine Praxis, die du tatsächlich lebst.
Vielleicht besteht dein Yoga heute also nur darin, für einen kurzen Moment still zu werden.
Und dann beobachte dich.
Nicht, um dich zu optimieren. Nicht, um gleich wieder etwas an dir verändern zu müssen. Sondern um herauszufinden, was da eigentlich ist.
Genau dort beginnt für mich Svadhyaya, das Selbststudium des Yoga.
Und möglicherweise sind diese wenigen Minuten mitten in deinem chaotischen Alltag für deinen Yoga-Weg gerade wertvoller als die perfekte 90-Minuten-Praxis, für die du sowieso keine Zeit hast.
Denn du musst für Yoga nicht aus deinem Leben aussteigen.
Dein Leben ist der Ort, an dem du Yoga übst.
Love, Deine Sharada Devi




