a1sx2_Thumbnail1_7932590180_98fc7fb831_z.jpgDie Wahrheit hat keinen Leib, aber das sinnliche Leben ist die Spur ihres Wegs.
(Bettina von Arnim)

Vergangenes Wochenende machte ich einen ausgiebigen Spaziergang durch einen Wald irgendwo in Brandenburg. Die Sonne schien durch die grünen Blätter, der angrenzende See schimmerte türkisfarben, die Vögel zwitscherten und das Wasser schwappte leise rauschend gegen das Ufer. An einem Marktstand kaufte ich einen großen Korb praller Johannisbeeren, der in ebenso reifer Gesellschaft von saftigen Pflaumen, großen Zucchini und kugelrunden Kürbissen darauf wartete, verarbeitet zu werden. Ich dachte: Wie üppig die Natur gerade ist, wie sinnlich so ein Spaziergang durch die Natur sein kann!

„Sinnlichkeit“ lautet daher mein Thema für die Kalenderwoche 35.  Sinnlichkeit, natürlich, bezieht sich auch auf die Sexualität, doch es verbirgt sich noch viel mehr hinter diesem Begriff. Es bedeutet, sich mit allen fünf Sinnen auf die Welt einzulassen, innezuhalten und den Verstand für einen Moment auszuschalten.

Denn gerade im Spätsommer, der nicht so aufgekratzt, heiß und überdreht wie der Hochsommer ist, lässt sich unsere Umgebung besonders angenehm mit allen Sinnen einfangen: Es duftet nach Reife, nach „jetzt noch einmal alles geben, bevor der Herbst kommt“. Das kann und sollte man unbedingt fühlen, schnuppern, schmecken, sehen und hören!

Auch bezogen auf die eigene Yogapraxis ist es immer wieder wichtig, den Verstand hintanzustellen, die Sinne regieren zu lassen und in sich hineinzuspüren: Welche Körperteile berühren jetzt gerade den Boden? Wie fühlt es sich an im linken Fuß, wenn ich in diese Asana gehe? Welche Geräusche macht mein Atem, welche Geräusche aus der Umgebung fließen in meine Praxis ein? Was sehe ich, wenn ich die Augen schließe und in mich gehe?

Diese Woche soll eine Woche der Sinnlichkeit werden. Sammeln wir Sonnenstrahlen und den Anblick des blauen Himmels, den Geruch der reifen Früchte und das Zwitschern der Vögel – und verstauen wir alles in einer kleinen Schatzkiste, die wir in kalten und lichtlosen Wintertagen wieder hervorholen können…

Foto: Flickr / Lorna Rande