wochenthema_hingabe.jpg„Wer nur dem klaren Verstand folgt und keine Offenheit zulässt, ist wie ein Wanderer, der die Grenzen seines Landes befestigt und gleichzeitig bestreitet, dass jenseits der Grenze ein anderes Land existiert.“
(Joachim Faulstich)

Meine Gene lassen sich einfach nicht leugnen und so fiel mir bei der Planung des heutigen Wochenthemas schon wieder ein Spruch aus dem „kölschen Grundgesetz“ ein: „Hammer immer su jemaat!“ Das heißt auf hochdeutsch: „Das haben wir schon immer so gemacht“ – im übertragenen Sinne bedeutet es also: Veränderung? Nein danke!

Wenn in dieser Spätsommerwoche das Thema „Offenheit“ lautet, so meine ich damit nicht so sehr die Offenheit, bei der uns das Herz auf der Zunge liegt und alles frei ausgesprochen wird, wie es einem gerade in den Sinn kommt – ich meine viel mehr die Offenheit gegenüber Neuem. Und da hakt es bei vielen Menschen.

„Humans are pattern-building animals“, pflegte einer meiner Professoren bei jeder Gelegenheit zu sagen: Wir Menschen stecken andere Menschen und Situationen in Windeseile in Schubladen, wir handeln in alteingefahrenen Mustern, die wir so und nicht anders schon seit Ewigkeiten durchziehen. Vor Neuem bzw. Unbekannten schrecken wir zurück, da wir nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen. Das ist nachvollziehbar, denn wie anstrengend wäre unser Alltag, wenn wir jede – wirklich jede! – Situation komplett neu bewerten und einschätzen müssten, als hätten wir sie noch nie erlebt? Schon der Gang zum Bäcker wäre eine kraftraubende Prozedur!

Nichtsdestotrotz lohnt es sich, diese bekannten Muster und Routinen einmal bewusst zu durchbrechen. Das kann im ganz Kleinen beginnen: Im Lieblingscafé nicht den Café Latte mit Sojamilch, sondern ein völlig anderes Getränk bestellen, das man noch nie probiert hat. Einen anderen Weg ins Büro nehmen. Die Eltern nicht wie gehabt am Sonntagnachmittag anrufen, sondern spontan unter der Woche, sich für ein Gespräch zu einem Obdachlosen setzen, endlich nach einer neuen Arbeitsstelle suchen – oder beim Üben des Handstands einfach mal das andere Bein zum Absprung nehmen.

Nicht alles kann und muss funktionieren, sehr schnell werden die meisten sich in ihre Komfortzone zurückziehen. Doch vielleicht ergeben sich durch diese kleinen Änderungen neue Bekanntschaften, Vorlieben, Ideen und Inspirationen? Offen sein für Neues!