india.jpg„Vertrauen ist eine Oase im Herzen, die von der Karawane des Denkens nie erreicht wird.“
Khalil Gibran

Es war während meiner ersten Reise in das Land der tausend Farben und Gerüche – Indien – als mich das Leben auf eine interessante Art und Weise herausforderte: Mein Zug von Delhi Richtung Pushkar, für den ich mir bereits Wochen im Voraus ein Ticket gebucht hatte – wurde spontan gecancelt. Es war keine Option für mich, weitere Tage in der staubigen 16-Millionen-Metropole zu verbringen, bereits drei Tage hatten es mir schwer gemacht, mit diesem Land überhaupt warm zu werden. An der Old Delhi Railway Station ließ ich mich von einem sympathischen Sikh mit nahtlos gezwirbeltem Turban dazu überreden, die Strecke stattdessen mit einem Reisebus zu fahren: „Madam, it’s a Super Deluxe Comfort Coach, I promise!“

Noch war ich nicht lange genug in Indien, hatte die Ansprüche eines an wirklichen Komfort gewohnten Europäers noch nicht abgelegt – bis zu dieser Busfahrt. Die Sitze standen krumm und schief in dem engen Gang, das Polster von den monatelangen Sonnenstunden verschlissen und von der Benutzung verdreckt. Ich krabbelte eine dünne Leiter hinauf und schob mich in eine der winzigen Schlafkojen. Auf dieser durchgelegenen Matratze würde ich also die nächsten 7-20 Stunden verbringen (Auf Reisezeitangaben der Busfahrer sollte man sich in Indien grundsätzlich nicht verlassen).

Schon kurze Zeit später hatte mich das gleichmäßige Schaukeln des Super Deluxe Comfort Coach in den Schlaf gelullt – aus dem ich jäh gerissen wurde, als wir durch ein riesiges Schlagloch fuhren. Ich blickte aus dem kleinen Fenster neben mir und erstarrte:

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Wir fuhren mit ziemlicher Geschwindigkeit an einem ungesicherten Abhang entlang, nur einen Meter neben mir ging es unzählige Meter weit steil in die Tiefe. „Um Himmels Willen, was, wenn wir hier gleich runterkippen?!“ dachte ich nervös.
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Der Bus war überfüllt mit Menschen, sie saßen zu zweit auf den Sitzen und lagen im Gang, zusätzlich hatte man das Dach mit etlichen übergroßen weißen Paketen beladen. Wie sollte das gut gehen?!

Und dann passierte etwas, das die meisten Indien-Reisenden genauso gut kennen wie den „Delhi Belly“: Ich entspannte mich – und vertraute darauf, dass schon alles gut gehen würde. Woher kam plötzlich diese stoische Ruhe? Lag es an dem grinsenden Ganesha, der von Räucherstäbchen und Kerzen umgeben an der Windschutzscheibe vor dem Fahrer angebracht war? „Wenn es so sein soll, dass du mit diesem Bus in die Tiefe rauschst, dann kannst du daran eh nichts ändern“, dachte ich. Das Leben ist nunmal, wie es ist.

Zum Glück müssen wir uns in unserem Alltag nicht sooft Gedanken darüber machen, ob das Leben vielleicht in der nächsten halben Stunde jäh zuende geht – und trotzdem kann eine gute Portion Vertrauen in das Universum und das Leben an sich nicht schaden. Es lohnt sich nicht, die Zeit mit Grübeleien darüber zu verschwenden, was vielleicht besser laufen könnte oder was im schlimmsten Falle passieren könnte – denn in den meisten Fällen haben wir darauf sowieso überhaupt keinen Einfluss.

Diese Woche lautet unser Wochenthema also: Vertraue in dich und das Leben, deine Kraft und darauf, dass alles gut ist, so wie es ist.

Als gebürtige Kölnerin beziehe ich mich in derartigen Situationen außerdem immer gerne auf die beiden Artikel aus dem „Kölschen Grundgesetz“: „Et kütt wie et kütt“ – und „Et hätt noch emmer joot jejange“!

Foto: Flickr / Sputnik Mania