Als Student schreibt man ja ständig Hausarbeiten. Und so langsam scheine ich auch zu verstehen, worauf es dabei ankommt. Man muss Dinge so oft sagen, dass ein roter Faden erkennbar ist, aber man darf sie nicht so oft sagen, dass es aussieht als wiederhole man sich.

Mit Wiederholung verbinden wir Vieles, und wenig Gutes.
Wenn wir etwas wiederholen, dann haben wir es das erste Mal nicht geschafft oder zumindest nicht gut genug gemacht. Oder wir müssen es nochmal machen, weil´s schon so lange her ist und wir das meiste vergessen haben. Oder weil uns nichts Neues einfällt. Da war ich schon mal, lass uns woanders hin. Hab ich schon mal gemacht, das ist langweilig. Das hat der doch schon mal gesagt, wie einfallslos. Die essen jeden Sonntag Kuchen – wie spießig!

Aber was haben wir denn eigentlich gegen Wiederholung? Man kann doch auch etwas nochmal machen, weil es beim ersten Mal so schön war? Das Lieblingsessen immer wieder essen, weil es immer wieder am besten schmeckt. Ein spannendes Buch erneut lesen und schon wieder Neues darin entdecken. Oder immer wieder dasselbe Stück am Klavier üben und mit der Zeit immer flüssiger spielen.

Dass es im Yoga viel um Wiederholung geht merken wir schon in der ersten Stunde, spätestens beim 3. Wechsel zwischen Kobra und Hund. Und dafür gibt es viele gute Gründe.
Einer davon ist: Zwei Hunde sind niemals gleich.

Manchmal merkst Du den Unterschied sofort, wenn der Lehrer Deine Aufmerksamkeit auf einen neuen Aspekt lenkt, die Schultern zum Beispiel. Manchmal merkst Du selbst, wie die Muskeln geschmeidiger werden von Mal zu Mal. Oder von Tag zu Tag. Wie der Hund je nach Lehrer sich je nach Lehrer irgendwie anders anfühlt..oder Du Dich mit der Zeit weniger stark auf die Ausrichtung konzentrieren musst und Du plötzlich den Bodenkontakt stärker wahrnimmst. Wenn Du ein knappes Jahr Yoga gemacht hast, haben alle Deine Zellen sich in der Zwischenzeit einmal ausgetauscht. Du hast einen rundumerneuerten Körper, der sich in einen rundumerneuerten Hund drückt.

Wir machen den Hund also in einer Yogastunde…wie oft? Ich muss mal zählen. Aber eigentlich machen wir ihn jedes Mal zum ersten Mal.
Wiederholung gibt es gar nicht.