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Foto: Flickr / Benjamin Balázs

Mein erstes richtiges „OM-Erlebnis“ hat mich umgehauen. Ich hatte mich an einem Wochenende spontan entschieden, an der „Holy Power Yoga“-Stunde von Marijana teilzunehmen; ihren Unterrichtsstil kannte ich noch nicht. Es war kurz nach Neujahr und die Feiertage hatten uns alle sichtbar ausgelaugt, doch Marijana wusste, wo wir neue Energie herbekommen: Wir würden jetzt gemeinsam ein paar Minuten OM singen, jeder ganz in seinem Rhythmus.

Ich atmete tief ein und spitzte die Lippen, ließ mich mit allem Herzblut in diese zwei (streng genommen: drei) Buchstaben fallen. Marijana erzeugte mit dem Harmonium einen raumfüllenden Klang, der das Ganze noch intensiver machte – mein ganzer Körper begann zu vibrieren uns es fühlte sich an, als würde ich schweben.

Seitdem hat das OM für mich eine ganz besondere Bedeutung. In den meisten Yoga-Klassen wird es zum Beginn der Stunde dreimal und einmal zum Abschluss gesungen, es führt dazu, dass man vollständig ausatmet und sich mental auf die folgende Asana-Praxis einstimmt. Doch wo kommt es her, das OM, wieso singt man es, was bedeutet es?

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„Von Om gehen alle Klänge aus. In Om existieren alle Dinge. Om ist das höchste Mantra. […] Om ist eine Lampe auf Deine Füße und ein Licht auf Deinem Weg.“
(Swami Sivananda)
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„Im Anfang war das Wort“, heißt es im Johannesevangelium des Neuen Testaments. Im Anfang war der Klang, ist man hingegen bei den Hindus, Jainas und den Buddhisten überzeugt: „OM“ ist der Urklang, aus dem das gesamte Universum, alle Lebewesen der Erde sowie alle Ideen entstanden.

Wie der Laut, der aus den drei Buchstaben A-U-M besteht, so hat auch das dazugehörige Zeichen drei Bestandteile, die zusammen für die dem OM innewohnende Trinität stehen: Hier vereinen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Schöpfer, Erhalter und Zerstörer, Brahma, Vishnu und Shiva, Körper, Geist und Seele, oben, Mitte und unten, Wachen, Träumen und Tiefschlaf. Der Punkt auf dem oberen Bogen steht für die Stille danach, für das Namenlose. OM enthält alle Klänge, die wir mit unseren Mund erzeugen können, sagt man. Wenn wir OM singen, entsteht diese göttliche Schwingung, die auch bei der Schöpfung des Universums geschaffen wurde, heißt es in der indischen Schöpfungsgeschichte.

Die meisten von uns singen OM ausschließlich vor und nach dem Yoga-Unterricht. Doch auch während man das Mittagessen kocht, mit dem Hund spazieren geht, in der Warteschlange steht oder im Schwimmbad seine Bahnen zieht, öffnet ein gesungens OM (ob hörbar gesummt oder lautlos gedacht) unser Herz und biete uns einen kurzen Moment der Einheit mit Allem!

In diesem Sinne: Oooooooom…

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