Kinderwunschyoga

Im Herbst 2015 erscheint die DVD Kinderwunschyoga nach Sharada Devi©, mit Übungen für alle Frauen, die ihren Körper sanft auf Nachwuchs vorbereiten wollen. Doch was versteht man eigentlich unter Kinderwunschyoga und welche Geschichte steckt dahinter? Darüber habe ich mit Sharada gesprochen.

Kinderwunschyoga nach Sharada Devi©– was ist das genau?
Kinderwunschyoga habe ich selbst entwickelt. Es gibt in den USA „Fertility Yoga“, um die Fruchtbarkeit zu erhöhen, und in Deutschland das „Luna Yoga“. Was ich jetzt unterrichte, habe ich allerdings komplett selbst aus dem Hormonyoga entwickelt.

Wie kam es dazu?
Die Geschichte ist eigentlich ganz einfach: Ich bin mit 41 ½ Jahren nach 1 ½ Monaten Versuch völlig mühelos schwanger geworden und hab mich sehr gewundert. Denn ich hatte bis zu meinem 30. Lebensjahr maximal alle zwei Monate meine Regel, also einen sehr unregelmäßigen Hormonhaushalt, weshalb ich auch die Pille verschrieben bekommen habe. Mitte der 30er hatte ich mindestens einen, wahrscheinlich mehrere Abgänge, also mein Hormonhaushalt war ganz offensichtlich nicht im Lot. Nach der Geburt meines Sohnes habe ich mir die Milchpumpe unter den Arm geklemmt und bin zu einer Hormonyoga-Ausbildung von Dinah Rodrigues gefahren. Als ich diese Übungen sah, stellte ich fest, dass ich viele der Asana- und Atemübungen aus dem Hormonyoga als „normale Yogapraxis“ regelmäßig morgens mit meinem Lebenspartner Thomas in den Monaten bevor ich schwanger wurde praktiziert hatte.

Zuerst hast du also normales Hormonyoga unterrichtet?
Genau. Bis mir irgendwann auffiel, dass meine Schülerinnen den Unterricht ein bisschen nutzen wie eine Hormonpille. So nach dem Motto: „Jetzt mache ich Hormonyoga, da muss ich ja schwanger werden!“. Mir war aber klar, dass es nicht nur am gemessenen Hormonstatus liegt, ob man schwanger wird oder nicht, dass da noch andere Dinge eine Rolle spielen. Außerdem ist das Hormonyoga sehr aktivierend, es ist eher gedacht für Frauen in den Wechseljahren, bei denen sich häufig Trägheit entwickelt. Auf sie wirken die Übungen energetisierend, aber eine jüngere Frau, die sowieso noch einen höheren Energielevel hat, lassen die Übungen „wegfliegen“. Also habe ich einen erdenden Teil dazu entwickelt – erdende Asanas praktizieren wir z.B. durch kräftigende Standübungen -, der auch unabhängig von der Hormonyoga-Übungsreihe geübt werden kann.

Kinderwunschyoga

Also besteht Kinderwunschyoga im Wesentlichen aus den Übungen des Hormonyoga und erdenden, kräftigenden Übungen?
Jein: Ich habe den erdenden Teil dazu genommen, den energetisierenden Teil, also die Hormonyoga-Übungsreihe von Dinah Rodrigues modernisiert, reduziert und für Kinderwunsch-Frauen angepasst und als weiteres Element gehört für mich zum Kinderwunsch-Yoga die Emotionalkörper-Therapie dazu: Denn der emotionale Zustand nimmt im Kinderwunsch eine ganz wichtige Rolle ein. Der Hormonstatus wird durch ihn beeinflusst, das ist nachmessbar und keine Esoterik. Also habe ich die Ausbildung in der Emotionalkörper-Therapie gemacht und wende diese Methode in meinen Privatstunden auch an. Das wird von den meisten Privatschülerinnen als genau das Richtige empfunden. In der Sitzung begleite ich die Schülerin im Grunde nur auf dem Weg zu ihrer inneren Weisheit. Jeder Mensch hat diese innere Weisheit, frau und man muss nur auf sie hören. Das ist heutzutage und insbesondere für eine Frau, die ja oftmals auch gesellschaftlich unter Druck steht, Kinder zu bekommen, nicht so einfach. Nach und nach bin ich so zu den verschiedenen Aspekten gekommen, die heute mein Kinderwunsch-Yoga ausmachen. Eine DVD dazu ist so gut wie fertig und mein Buch wird auch bald herauskommen.

Wann und wo kann man das Kinderwunschyoga mit dir praktizieren?
Ich biete etwa zweimal im Jahr ein intensives Kinderwunsch-Wochenendseminar an. Das schöne an diesen Seminaren ist, dass dort nur Frauen sind, die alle das gleiche Problem haben. So können sie sich frei von äußeren Erwartungen mit sich selber beschäftigen, sich näher kommen und wieder Vertrauen aufbauen. Es ist einfach schön zu sehen, wie Menschen einen großen Schritt auf ihrem Weg machen und ehrlich zu sich sind, wenn ihnen jemand hilft. Es geht darum, die Kinderwunsch-Zeit als eine bereichernde Zeit der Reifung zur Mutter zu verstehen. Und einen wöchentlichen Kurs gibt es auch? Ja, der findet immer donnerstags 20.15 – 21.30 Uhr statt. Es ist eine wunderbare Gruppe mit immer wieder unterschiedlichen Schülerinnen, die in der Geborgenheit und Diskretion unseres Studios etwas für sich tun können. Im Wesentlichen üben wir hier regelmäßig die Kinderwunsch-Yoga-Übungsreihe nach Sharada Devi mit wechselndem Schwerpunkt, je nachdem, wo meine Schülerinnen gerade stehen.

Es ist also – anders als in einer „normalen“ Yoga-Klasse – besonders wichtig, dass die Schülerinnen sagen, was gerade in ihrem Leben los ist?
Für den Unterricht muss ich ein paar Dinge wissen: Schilddrüsen-Funktion, Menstruation heute ja oder nein, Hormonelle Stimulierung etc. Darauf stelle ich dann den Unterricht ein. Für manche Frau ist es eine große Überwindung, überhaupt zum Kinderwunschyoga zu kommen und damit einzugestehen, dass sie einen Kinderwunsch hat, aber es ist der erste Schritt!

Kinderwunschyoga

Sind die Altersklassen in deinen Stunden gemischt? Oder kommen hauptsächlich Frauen, bei denen die biologische Uhr schon sehr laut tickt?
Es kommen auch sehr viele junge Frauen, auch in mein Kinderwunschseminar. Die einen haben schon eine längere Geschichte mit der Reproduktionsmedizin hinter sich, die anderen wollen einfach auf natürliche Weise etwas für sich und ihre Fruchtbarkeit tun.

Worauf muss man besonders achten, wenn man schwanger werden möchte?
Dazu gehört unter anderem eine bewusste Ernährung, die für jede Frau unterschiedlich richtig sein kann. Für die eine ist Rohkost der richtige Weg, für die andere gerade warme, gekochte Speisen. Aber auch das Wissen, worauf man in einer „normalen“ Yoga-Klasse achten muss und welche Asanas man lieber nicht praktizieren sollte. Zu den Klassikern zählen z.B. die engen Drehungen. Es ist ein Alptraum für jede(n) Yogalehrer(in), wenn eine Schülerin nach der Klasse ankommt, sich für den Unterricht bedankt und dann erzählt, dass sie im dritten Monat schwanger ist! Das passiert leider immer wieder. Jeder Lehrer, der intensive Twists unterrichten möchte, müsste vor der Stunde eigentlich fragen, ob jemand schwanger ist oder sein könnte. Als Regel kann man sagen: Wenn man schwanger werden möchte, sollte man so praktizieren, als sei man schon schwanger. Man könnte natürlich auch einfach in die Yoga-Kurse für Schwangere gehen, aber dann muss man damit klar kommen, dass die meisten Frauen dort eben schon schwanger sind.

Wie schätzt du den Erfolg deines Kinderwunschyogas ein – gibt es eine Art „Erfolgsquote“?
Es gibt eine, aber es ist schwierig, sie zu beziffern: Über den Kinderwunsch sprechen die meisten Frauen nicht. Und wenn es geklappt hat, ist alles andere wichtiger, als eine Email an mich. Stattdessen treffe ich sie dann bei uns im Yoga prenatal oder ich höre von einer neuen Schülerin, daß ich ihr von der und der empfohlen wurde, sie habe gerade ihr Kind bekommen… Manche melden sich auch eher bei Anne Roth, bei welcher sie die Fruchtbarkeitsmassage erhalten haben. So kommen die Rückmeldungen eher zufällig und von allen Seiten zu uns. Irgendwann werden wir sie konsequent erfassen, versprochen!

Vielen Dank für das Interview!

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