Dass Yoga nicht gleich Yoga ist, war mir schon irgendwie klar. Aber welch einen Glücksgriff ich getan hatte, dämmerte mir erst im Nachhinein. Das dann allerdings recht schnell.

Nach meinem Präventionskurs war völlig klar: Ich mache weiter Yoga! Aber gab es nicht auch Yoga fürs Studenten-Portemonnaie? Gabs. Unisport. Nicht einmal in einer stinkenden Turnhalle am anderen Ende der Stadt, sondern in einem Yogastudio in der Nähe. Auf ging´s.

Was mir dort begegnete war erstmal: Anders. Aber ganz charmant, Yoga mit Musik, okay. Gute Musik. Die Bewegungsfolgen gingen ganz schön schnell, ich kam nicht recht mit. Aber bestimmt würde ich mich daran gewöhnen. Es war ja außerdem ein anderer Yogastil, was Poweryoga heißt, muss ja auch irgendwie dynamisch sein. So hampelte ich also irgendwie hinterher, und nach ein paar Wochen kam ich tatsächlich besser mit. Nur wusste ich noch immer nicht, was ich da eigentlich tat, ich vermisste die Anleitung und persönliche Ansprache, an die ich gewöhnt war. Und die präzise Ausrichtung, die die Aufmerksamkeit voll in Anspruch nimmt, so dass die Gedanken still werden. Aber ich war hinterher geschlaucht und meine Arme und Beine wurden Stück für Stück kräftiger. Ich fand mich fitter als zuvor und war stolz auf mein Durchhaltevermögen. Die Kopf- und Nackenschmerzen am nächsten Tag störten ganz schön. Erschöpfung? Entgiftung? Hm..Eine Bekannte klärte mich dann auf, dass Schulter- und Kopfstand schon eher Fortgeschrittenen-Übungen sind. Die Kobra zog zunehmend im Rücken und nach einer freundlich forcierten sitzenden Vorbeuge wachte ich am nächsten Morgen mit starken Kreuzschmerzen auf. Rückenschmerzen hatte ich bis dato nicht gekannt, trotz notorischer Buckelhaltung und fast 15-jähriger absoluter körperlicher Untätigkeit – und nun das?  Ich war schwer beleidigt. Zum Glück nur ein leichter  Hexenschuss, der auch nach wenigen Tagen überstanden war. Denn Körper haben die Fähigkeit zu heilen. Eine so banale wie großartige Erkenntnis. Trotzdem, es dauerte eine Weile, bis ich wieder darauf vertrauen konnte, dass Yoga nicht zu Schmerzen führt, sondern sie sogar lindert. Vorausgesetzt natürlich, man führt die Übung richtig aus. Dafür gibt es gute Yogalehrer. Ich finds immer wieder beeindruckend, in welche Richtung man seine verschiedenen Körperteile ziehen und drehen kann, während man eigentlich still verharrt. Und wohin man seinen Atem dabei so alles lenken kann.

Meinem Rücken geht es übrigens prächtig, ich kann schon viel gerader sitzen und stehen. Vor neuen Übungen, die mit tiefen Rückbeugen zu tun haben, stehe ich allerdings noch manchmal mit einem Anflug leiser Panik in den Augen. Und lerne, es kann gar nichts passieren, wenn man auf seinen Körper hört. Denn der weiß Bescheid. Auch schon wieder so eine Erkenntnis.