Einer der vielen guten Gründe, zum Yoga zu gehen ist, Veranwortung für den eigenen Körper zu übernehmen. Yoga fürs gute Gewissen. Man will ja gesund sein, das fühlt sich gut an. Und Gesundsein ist tatsächlich auch zu einem Imperativ geworden, einer Leistung. Irgendwann war das Körperideal schlank, dann kam schlank und sportlich-fit, nun also schlank und fit und gesund. Das scheint ja als Ideal schon mal deutlich sinnvoller als mit möglichst tiefen Schatten unter den Augen zu demonstrieren, dass man ebenso hart zu arbeiten wie zu feiern weiß. Aber es erzeugt auch neuen Druck. Eine Sache mehr, die ich in die Hand nehmen muss..Und wenn ich eine Erkältung bekomme oder Rückenschmerzen, habe ich dann nicht genug geleistet in Sachen Gesundheitsverantwortlichkeit, muss ich mich mehr anstrengen?

Mir scheint, beim Yoga wird erfahrbar, wovon ich vorher eigentlich auch schon überzeugt war.

Zum Beispiel, dass unser Körper sehr klug ist und weiß, was er braucht. Davon sprach kürzlich eine der Lehrerinnen in der Einstimmung. Ich mag sie sehr, diese kleinen Einleitungen, die zu Beginn auf ein Thema lenken. Ob persönliche Anekdote oder eine Geschichte, aktueller Anlass oder eine Erfahrung aus dem Alltag, sie alle können Überschrift einer Yogastunde sein, wenn man mag. Auf die Weisheit des Körpers werden wir immer wieder hingewiesen, dass wir darauf hören sollen, wie weit er heute und in diese Asana hineingehen will..Das Zitat von Deepak Chopra, das zum Motto jener Stunde neulich wurde, geht sogar noch weiter: Allow your body to take care of you. Da wird mir doch glatt  die Verantwortung aus der Hand genommen. Ich erkenne, dass ICH eigentlich überhaupt gar nichts ausrichten kann. Wenn in meinen Oberschenkelmuskeln kein Platz ist für eine eine tiefe Vorbeuge, dann ist das heute so, da kann ich mich auf den Kopf stellen. Beziehungsweise kann ich mich heute vielleicht auch nicht auf den Kopf stellen, weil mein Gleichgewichtsgefühl gerade total wacklig ist und ich Angst habe, umzufallen. Tja.

Und wie wäre es, wenn wir es unserem Körper erlaubten, für unsere Bedürfnisse zu sorgen, statt andersherum?

Mir hat mein Körper in Verbindung mit Yoga recht deutlich Bescheid gesagt, was das Rauchen angeht. Meine Arbeit bestand dann vor allem darin, den beiden das Steuer zu überlassen. Und nun bin ich seit 15 Monaten Nichtraucherin, das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Es lohnt sich offenbar, das Strampeln mal sein zu lassen und den Körper führen zu lassen. Der kennt sich einfach besser aus.