Infrarot, das Wort haben wir alle irgendwie schon hundert Mal gehört. Aber mal ehrlich: Warm macht doch auch ne Wärmflasche..”So ein Schnickschnack”, dachte ich, als mein Vater einen Hexenschuss hatte und sich eine Infrarotlampe besorgte. “Dass der auf sowas hereinfällt..” Andererseits, Wärmflaschen haben auch ihre Nachteile. Sie sind ja gewissermaßen Wasserverschwendung – es sei denn, man würde nach Abkühlen des benutzten Wassers die Blumen damit gießen oder so. Hinzu kommt, dass man eine Wärmflasche natürlich nicht sonderlich bequem z.B. auf der Stirn platzieren kann. Daher konnte mich meine Hausärztin bei einer Nebenhöhlenentzündung davon überzeugen, mir solch eine Lampe zu besorgen.

So hielt ich denn meine verkleisterten Wangen in das rote Licht. Der erste Gedanke war: Oh, der Winter ist vorbei! Es fühlte sich so an wie die ersten Sonnenstrahlen, in die wir im Frühling so begeistert unsere Nase recken. Die Wärme dieses Instant-Sonnenbads tat so gut, dass es mir gleich fast egal war, ob es eigentlich hilft. Helfen tat es aber sicherlich, ganz ungeachtet meiner leidenschaftslosen Einstellung zum Effekt. Man spürt, wie tief die Wärme dringt und sich dort ausbreitet. Wenn meine Nase dazu Yogaübungen machen würde, sie wäre im Nu ganz energiegeladen und geschmeidig. Nun muss die Nase wohl eher bei Atmen bleiben, aber das ist ja auch Yoga. Der Rest des Körpers turnt dann einfach bei Ganzkörperinfrarot in Form einer Infrarotheizung. Die Vorstellung bringt mich richtig ins Schwärmen: Da wird aus der schüchternen Frühlingssonne, die wir erhaschen, eine satte Sommerwärme. Ganzkörperbestrahlung ohne Sonnenbrand. Ich sehe mich durchgewärmt bis in alle Schichten in ungeahnte Tiefen der Asanas vordringen, und die Faszien freuen sich so sehr, dass sie ein Liedchen anstimmen, zum Beispiel  “Jede Zelle, an jeder Stelle ist total gut drauf”..

Aber jetzt mal halblang. Auch ohne solch eine verdrehte winterliche Ekstase: Wohltuend ist es ganz sicher.