Die YogaSutras und der sogenannte „Achtgliedrige Pfad“ nach Patanjali

Ihr kennt die Geschichte von Patanjali?
Dem Patanjali, der angeblich die YogaSutras geschrieben hat? (denn es gibt mehrere…)

Denkt Euch Vishnus Couch, die tausendköpfige (= unendliche) kosmische Schlange Shesha, auch Ananta genannt, die gerne Yoga unterrichten will (!!!) auf der Erde für die Menschen.

Und stellt Euch Gonika vor, eine fromme gute Frau, die sich so sehr ein Kind wünscht. Sie hält sich streng an ihr Sadhana und betet täglich so flehentlich um ein Kind, daß Shesha das natürlich mitkriegt und beschließt sich als ihr Kind zu re-inkarnieren.
Ananta also fällt als Samen vom Himmel (pat) in die aufgehaltene Hand (Anjali) von Gonika – sie pflanzt den Samen ein und so wächst ihr ein Sohn im Blumentopf heran: Patanjali.

Es war von Anfang an deutlich, daß er unendliches Wissen von Yoga aus früheren Leben mitgebracht hatte. Schon als Kind wurde er „Professor“ für Yoga und lehrte viele Menschen.

Patanjalis großes Werk war, Wissen um Yoga zu sammeln und in den YogaSutras zusammen zu fassen. Insbesondere die Aspekte des sogenannten Ashta Anga, des achtgliedrigen Pfades, mit dem wir uns bis in die Adventszeit befassen wollen, kommen auch in zahlreichen anderen Schriften vor, man kann sie gewissermaßen als Zeitgeist verstehen, den Patanjali erfasst und in Sutras zusammengefasst hat!

Die YogaSutras wurden die Grundlage für ein philosophisches System, das früher Kriya Yoga und heute Klassisches Yoga genannt wird. Sie gelten als die Basis des Klassischen Yoga (strenger Dualismus von Gott und Materie), einem der sechs hinduistischen Haupttraditionen, der Shatdarshanas, der sechs großen philosphischen Systeme des Hinduismus. Die Entstehung wird überwiegend auf das 2. Jahrhundert nach Christus datiert.

Der klassische Yoga mit seinem strengen Dualismus hat als philosophisches System im Vergleich zu seiner Bekanntheit wenig Eingang in das hinduistische Leben gefunden und stattdessen viel Kritik von anderen philosophischen Richtungen, insbesondere des Vedanta eingesteckt.

Aber auch die Vedantins (Advaita Vedanta = Nicht Zwei) (von Shankara bis u.a. Swami Sivananda) berufen sich auf ihn als die Grundlage des Raja Yoga, des Königsweges des Yoga. Da das vedantische Gedankengut die westliche Yogawelt zu ca. 90-98% beherrscht, finden wir hier die meisten Kommentare zum Ashta Anga.

So gelten die YogaSutras auch in den meisten deutschsprachigen Yogalehrer-Ausbildungen historisch fälschlicherweise als die Grundlage des Yoga. Sie mögen für einige Traditionen die Grundlage des Yoga bilden, aber fürwahr nicht für alle.

Und so kommt es, daß es gemeinhin das Ziel des Yogi ist, per strengem Asketismus Kontrolle über seine Gedanken, Sinne und damit den Körper zu erhalten, um möglichst schnell dem Leid des Leben-Müssens zu entkommen und keinesfalls wiedergeboren zu werden. Oder zumindest vom Leben emotional und gedanklich nicht mehr berührt zu werden, um durch Gedanken und Gefühle nicht vom rechten (ahtgliedrigen) Pfad abzukommen.

Thomas Bessel und ich verbinden uns nicht mit dem klassischen Yoga, da wir der Ansicht sind, daß das Leben dazu da ist, gelebt zu werden.

Wir und alle unsere Gastlehrer in der YogaCircle Berlin Akademie interpretieren die YogaSutras auch aus tantrischer Sicht der Shri Vidya Traditionen bzw des Shakta Tantra, die in der Natur, die auch unser menschliches Sein umfasst, Ausdruck der Göttlichen Mutter seht.

So nutzen wir die Weisheit der YogaSutras und lesen darin faszinierende Techniken und Anregungen, die wir auch und gerade in unserem modernen Leben beachten und nutzen können, um dankbarer, zufriedener und damit glücklicher leben zu können. Daran wollen wir Euch teilhaben lassen.