Neulich behauptete ich, Wiederholung gibt es gar nicht, weil sowieso ständig und immerzu alles anders ist. Der Körper zum Beispiel baut sich ununterbrochen auf, ab und um. Selbst die Knochen! Wenn die nicht gedrückt, gezogen und gestaucht werden, wird einfach Masse abtransportiert, braucht ja keiner. Es läuft nämlich nicht alles nur nach DNA-Bauplan, der Körper reagiert tatsächlich auf alles, was wir mit ihm anstellen. Alles. Wenn die Anforderungen sich ändern, passt sich die Physis an. Großes kann da passieren, wenn auch nicht über Nacht. Der Körper hat wahrscheinlich keine Lust, einmal komplett Herz-Kreislaufsystem, Stoffwechsel und Muskulatur umzubauen, beispielsweise weil ich dieses Wochenende am Meer war, salzige Luft geatmet, mich leicht zimperlich ins Wasser getunkt und vor allem viel durch den Sand gelaufen bin. Ich bekam zwar Muskelkater in den Kniekehlen, habe aber den Eindruck, dass meine Gestalt sich nicht im Geringsten verändert hat. „Hab ich doch geahnt, dass das eine einmalige Sache war“, denkt sich der Körper, „wie gut, dass ich nicht komplett umgebaut habe“. Um ihm zu zeigen, dass man es ernst meint, braucht es: Genau. Wiederholung. „Ja, Körperchen, ich werde jetzt öfter auf den Händen stehen und meine Knie auf den Oberarmen ablegen, bitte Muskelapparat entsprechend modifizieren!“ Und dann macht er das auch, nett wie er ist. Und saniert nicht nur den Bizeps, sondern auch all diese Strukturen, die man nicht sieht, aber so dringend braucht. Die Knochen zum Beispiel, oder tiefe Rückenmuskeln und Beckenboden. Oder das Gehirn, auch ein faszinierender Apparat, der sich trainieren lässt. Meines ist zum Beispiel noch nicht überzeugt, dass ich jetzt regelmäßig früh aufstehen will und das angenehmer wäre mit einer modifizierten Ausschüttung der Schlafhormons. Also nochmal: „Doch, Körperchen, glaub mir, früher aufstehen ist jetzt angesagt! Bitte abends früher System herunterfahren!“ Mal sehen, was passiert.